Schulprojekt des Circulo Argentino in Mendoza/Argentinien

Der Alltag in Argentinien ist heute geprägt von wirtschaftlichen Krisen, Arbeitslosigkeit, der Abwertung der Währung, Korruption und auch mangelnder Infrastruktur. All diese Faktoren tragen dazu bei, dass über ein Drittel der Argentinier unterhalb der Armutsgrenze leben muss. Dabei hatte dieses Land einmal die höchste Einschulungsquote Südamerikas erreicht. Inzwischen halten jedoch die hohen Kosten für die Schulbildung, die langen Schulwege in ländlichen Gegenden, vor allem aber die fehlenden Ausbildungsplätze für Jugendliche immer mehr Eltern davon ab, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Denn ein Abschluss-Zeugnis ist noch lange keine Garantie, dass die Absolventen hinterher einen Job bekommen. Und auch die Motivation der Lehrer ist aufgrund ihrer schlechten Bezahlung im Laufe der Zeit gesunken. Darüber hinaus sind die meisten Schulen nur spärlich ausgestattet.

Die fatalen Folgen dieser bedenklichen Entwicklung sind nicht zu übersehen: die Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen steigt - deshalb bleiben viele Jugendliche von ihren Eltern abhängig. Nur 11 Prozent der Gruppe zwischen 20 und 24 Jahren führen einen eigenen Haus-halt. Immer mehr Teenager in den Städten verdienen ihr Geld mit illegalen Mitteln, z.B. schlagen Sie sich mit Drogen und kleinen Diebstählen durch.

Zum Träger

Um Jugendlichen die Chance zu geben, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und um ihnen eine solide Basis für die Zukunft zu bieten, wurde 1984 das von Círculo Argentino unterstützte Projekt Mendoza gegründet. Das Konzept entwarf der Jesuiten Pater Rogelio Urquiza aus Argentinien.

Die Schule "Pater Llorens", im Viertel San Martin liegt in Mendoza, der etwa 120.000 Einwohner zählenden Hauptstadt der Provinz Mendoza. Die Hälfte der Einwohner dieser schnell wachsenden Stadt sind übrigens Jugendliche.

 

Die Aktion

Die Aktion "Mendoza" ist das Ziel des Círculo Argentino und seiner Mitglieder seit seiner Gründung in 1984. Die Schule, die von 250 Schülern besucht wird, wurde von der Landesre-gierung in Mendoza als ein wünschenswertes Beispiel für alle anderen Schulen der Provinz vorgeschlagen.

Durch vielfältiges Engagement von den Mitgliedern und Einzelpersonen wird bei den Men-schen in Mendoza Hilfe zur Selbsthilfe geleistet. Für jede Spende übernimmt der Círculo Argentino die Verpflichtung, sie effektiv und verantwortungsbewusst für die Schule einzusetzen. Damit konnte einiges ermöglicht werden: der Bau von zwei Schulklassenräumen, eine Mahlzeit für die Schüler, sowie Unterricht in Malen, Zeichnen und Musik. Diese Unkosten kann die Stadtverwaltung von Mendoza nicht übernehmen.

Die Partner

In Übersee arbeitet der Círculo Argentino mit erfahrenen einheimischen Partnerorganisationen und Kirchen zusammen. Unser Ansprechpartner ist der Jesuiten Pater Rogelio Urquiza. Er kennt die soziale Wirklichkeit Mendoza und er ist motiviert, sich energisch für ein men-schenwürdiges Lernen der Armen und Benachteiligten zu einzusetzen.

Ein Kurzbericht aus dem Jahr 2001

Am 10. Dezember 2001 trafen wir Padre Rogelio Urquiza in Mendoza und konnten ihm die aus Spendenaufruf des Boletin 7/2001 „Helfen Sie uns zu helfen“ eingegangenen Geldspen-den persönlich übergeben. In Gesprächen bei der Übergabe wurde uns ein weiteres Mal be-wusst wie notwendig diese Unterstützung ist und welche wertvolle Arbeit geleistet werden kann.  Nachfolgend möchten wir von diesen Gesprächen erzählen.

Die Schule "Padre Jose María Llorens" besuchten im Jahr 2001 insgesamt 233 Schüler. Neben einer Kindergartenklasse gab es die Klassen 1 bis 7, ab dem Schuljahr 2002 wird es auch die Klasse 8 und 9 geben. Bis vor kurzem gab es grundsätzlich in der ersten Bildungsstufe nur 7 Schuljahre und in der zweiten Stufe nochmals 5 Schuljahre.  Das Schulsystem wird seit kurzem auf 9 Jahre in der ersten und drei Jahre in der zweiten Bildungsstufe umgestellt. Durch diese Änderung benötigt die Schule weitere zwei Klassenräume, welche sich derzeit im Bau befinden und von den Mitgliedern und Freunden des Círculo mitfinanziert werden. Das argentinische Schuljahr dauert von März bis November, unterbrochen von zwei Wochen Winterferien im Juli. Von Dezember bis Februar können sich die Schüler an den Sommerferien erfreuen. Der normale Schultag beginnt zwischen 7.30 Uhr und 8.00 Uhr. Die Schüler nehmen sich von den Lehrern vorbereitete Aufgaben und fangen an, diese selbstständig in 90 Minuten zu lösen. Gegen 9.30 Uhr gibt es dann ein gemeinsames einfaches Frühstück – für viele das erste Essen am Tag. Dem Frühstück, von dem einige sogar einen Teil für die Geschwister zu hause mitnehmen, schließt sich die große Pause an. Gegen 10.15 Uhr werden im Unterricht gemeinsam die Aufgaben der ersten Stunde besprochen und erklärt. Kurz vor dem Schulschluss gegen 13.00 Uhr wird gemeinsam gebetet.
In der Schule werden sieben Fächer gelehrt. Für die staatlich vorgegebenen Fächer Mathematik, Spanisch, Sozialkunde und Naturkunde bezahlt der Staat die Lehrer, die Kosten für die zu lehrenden Fächer Musik, Sport und Kunst werden durch Spenden ermöglicht. Im abgelaufenen Schuljahr waren in der Schule 10 Lehrer, ein Konrektor sowie der Rektor Herr Luis Ruiz Ruiz tätig. Bisher ist der Staat seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Lehrpersonal nachgekommen, wenn auch mit 20 Tagen Verspätung. Teilweise lassen die Lohnzahlungen noch länger auf sich warten. Beispielsweise waren zum Zeitpunkt unseres Besuchs die Oktoberlöhne noch nicht gezahlt.
Abschließend für dieses Boletin möchten wir erwähnen, dass von den 233 Schülern 216 (93%) die Versetzung in die nächste Klasse erreichten. Von den Schulabgängern hat jeder Schüler den Schulabschluss bestanden. Ein stolzes Ergebnis für das Projekt und für alle, die es unterstützen.