Geschichte der Widekind-Loge

Am 24. Juni 1923 wurde die Widekind Loge gegründet. Zuvor bestand in unserer schönen Lessingstadt eine Vereinigung von Brüdern, die der Lessing Loge Nr.1 von Braunschweig angehörten. Nachdem die Anzahl der Brüder aus Wolfenbüttel auf 31 angewachsen war, beschlossen sie, eine eigene Loge zu gründen und sich von der Lessing - Loge zu trennen. Zu den Gründungsmitgliedern zählten u.a. Julius Staats und Hans Wedemeyer. Die Loge nannte sich nach Widekind, dem Erbauer der Burg Wolfenbüttel. Er hatte die Wasserburg errichtet, um den pilgernden Mönchen, reisenden Kaufleuten und den Wanderern in unsicheren Zeiten Schutz und Hilfe zu bieten, um sie sicher durch die sumpfigen Okerniederungen zu geleiten und um den Verbindungsweg zwischen den alten Kulturstätten, den Bischofssitzen Hildesheim und Halberstadt, zu sichern. Widekind aber war nicht nur der Beschützer der Schwachen und Bedrängten, sondern auch ein Vorbild der Treue. Diese Eigenschaften sollten die Ideale der Widekind-Loge sein.

Es folgten die Jahre des Aufbaues und der Entwicklung der Loge. Es wurden mehrere Grundstücke nacheinander angemietet, gekauft und wieder verkauft, bis endlich am 6. Oktober 1928 das Grundstück Neuer Weg Nummer 96 (die Meineke-Villa) gekauft werden konnte. Nun ging es ans Planen um die endgültige Einrichtung des Hauses festzulegen. Die erste Sitzung im neuen Heim fand am 3. Dezember 1928 statt. Da die Halle noch nicht geweiht war, tagten die Brüder im großen Saal. Die Weihe wurde für den 13. Januar 1929 vorgesehen und auch durchgeführt.

Es folgte nun die Zeit, in der sich die Brüder dem Ernst der Logenarbeit widmeten. Durch viele Vorträge erlebten sie manche schöne und besinnliche Stunden.

Es kam das unheilvolle Jahr 1933. Die politischen Verhältnisse spitzten sich zu. In der Sitzung der Groß Loge vom 2. April 1933 wurde der Antrag angenommen: "Die Groß Loge erklärt sich selbst und die gesamten Organisationen des deutschen Ordens für aufgelöst". Wieder mussten die Wolfenbütteler Brüder Abschied nehmen von einer vertrauten Halle. Die Widekind-Loge wurde gezwungen, das Haus zu verkaufen und erhielt als Kaufsumme gerade soviel, dass die Hypothekenschulden gedeckt werden konnten. Das Eigenvermögen musste unter Zwang geopfert werden. Die Brüder trafen sich heimlich in einer Gaststätte weiterhin zur Pflege der Freundschaft. Der Krieg kam - und ging zu Ende und die Brüder fanden sich wiederum in einer Wolfenbütteler Gaststätte zu zwanglosen Treffen ein.

Sie richteten am 28. Oktober 1947 an den Bürgermeister der Stadt Wolfenbüttel ein Gesuch mit der Bitte, die Bildung einer Loge als Verein zu genehmigen. Dieser Bitte wurde entsprochen. Am 26. April 1948 fand die Wiedergründung unserer Loge in der "Auguststädter Schänke" statt. Das Gründungsmitglied, Julius Staats, übernahm 1948 als erster das Amt des OM nach dem Krieg. Als UM amtierte der damalige Bürgermeister von Wolfenbüttel Hans Wedemeyer, auch er war Gründungsmitglied. Da das Logenhaus am Neuen Weg von der Polizei belegt war, begann die Suche nach einer anderen Unterkunft. Zunächst tagten die Brüder abwechselnd in 2 Gaststätten bis sie den Saal im Schloss beziehen konnten.

1955 fand in den Räumen der Widekind-Loge, also im Schloss, die Großlogen-Tagung statt. Anlässlich dieser Tagung wurde der Bruder Heitmann zum Hochmeister (Groß Sire) gewählt. Ein Jahr später verstarb er ganz plötzlich, und die Groß-Loge trat erneut in Wolfenbüttel zusammen, um einen neuen Hochmeister zu wählen. In dieser Sitzung wurde unser Bruder Dr. Heinz Grunow nunmehr zum Hochmeister gewählt. Er bekleidete dieses Amt knapp 23 Jahre bis 1979.

Die schöne Halle im Schloss stand nicht mehr lange zur Verfügung. Sie wurde zum 1. Oktober 1958 gekündigt. Da das Haus am Neuen Weg noch immer von der Polizei gepachtet war, war es nicht möglich, es zu übernehmen. Der Polizei war aber auch daran gelegen, das Haus weiterhin zu behalten. Sie unterbreitete der Loge den Vorschlag, das so genannte Niedersachsenhaus, das sich in der Verwaltung des Staates befand, der Loge im Austauschwege zu überlassen. Dem Bruder Walter Bähr gelang es schließlich nach vielen Verhandlungen mit dem Land Niedersachsen, günstige Bedingungen auszuhandeln. Der Kaufvertrag kam zustande. Die Widekind-Loge erhielt das Haus lastenfrei am 1. April 1959 und übergab das Haus "Neuer Weg" lastenfrei an das Land Niedersachsen. Viele Umbauarbeiten waren nötig bis endlich am 4. Oktober 1959 die Halle geweiht werden konnte.

In dem 1959 übertragenen Haus befindet sich immer noch unsere Loge. Der oben erwähnte Bruder Julius Staats hinterließ unserer Loge einen ansehnlichen Betrag. Am 31. Oktober 1986 verabschiedete die Mietglieder-Versammlung der Widekind-Loge e.V. eine neue Satzung, in der, dem Testament entsprechend, der Julius und Anna Staats-Fonds eingerichtet wurde.