Es war ein Abend, der in Erinnerung bleiben wird. Die Concordia-Loge hatte einen Gast eingeladen, dessen Name in Deutschland Anfang der 1990er Jahre in aller Munde war – und der heute für etwas ganz anderes steht: Arno Funke, besser bekannt als „Dagobert", sprach vor den ca. 25 versammelten Gästen, Schwestern und Brüdern über sein Leben, seine Irrwege und seinen Neuanfang. Was viele vielleicht nicht erwartet hatten: Der Mann, der einst die Republik in Atem hielt, ist ein warmherziger, humorvoller und nachdenklicher Zeitgenosse, dem man bereitwillig zuhört.
Vom Berliner Kind zum Schildermaler
Arno Funke wurde am 14. März 1950 im Berliner Stadtteil Kreuzberg geboren und wuchs in Neukölln und Rudow auf. Nach der Schule absolvierte er 1969 eine Ausbildung zum Schilder- und Lichtreklamemacher – ein Beruf, der sein handwerkliches und gestalterisches Talent früh förderte. Es folgten verschiedene Jobs: als Schildermaler, Fahrer, Bauhelfer und zeitweise sogar als Discjockey. Ein geradliniger Lebensweg sah anders aus. Schwere Depressionen, finanzielle Not und eine wachsende innere Verzweiflung trieben ihn schließlich in eine Richtung, die jedem bekannt sein dürfte.
Der Kaufhauserpresser „Dagobert"
Ende der 1980er Jahre begann Funke, Kaufhäuser zu erpressen – vor allem den Warenhauskonzern Karstadt. Zwischen 1992 und 1994 eskalierte die Situation: Unter dem Pseudonym „Dagobert" platzierte er Sprengvorrichtungen und verursachte Sachschäden von rund zehn Millionen D-Mark. Die Ermittler rätselten jahrelang über den Täter, der mit technisch ausgeklügelten Geldübergabekonstruktionen immer wieder entkam. Ein psychologisches Gutachten sollte später eine extrem hohe Intelligenz bescheinigen. Am 22. April 1994 wurde Funke schließlich in einer Berliner Telefonzelle festgenommen. Das Urteil: neun Jahre Haft wegen schwerer räuberischer Erpressung.
Haft als Wendepunkt
Funke selbst sagt rückblickend, sein Leben habe sich erst zum Guten gewendet, als er ins Gefängnis kam. Dort wurde seine Depression endlich behandelt, er las, reflektierte – unter anderem Dostojewskis Schuld und Sühne – und setzte sich ernsthaft mit seiner Schuld auseinander. Nach sechs Jahren und vier Monaten wurde er wegen guter Führung im August 2000 entlassen. Als symbolische Geste der Wiedergutmachung überwies er 2013 sein Honorar aus dem RTL-Dschungelcamp in Höhe von rund 40.000 Euro an Karstadt.
Karikaturist mit spitzem Stift
Heute ist Arno Funke als Grafiker und Karikaturist tätig – und arbeitet seit vielen Jahren für das renommierte Satiremagazin Eulenspiegel. In der Concordia-Loge präsentierte er an diesem Abend einige seiner Arbeiten: pointierte, oft politisch aufgeladene Zeichnungen, die mit feinem Humor und einem scharfen Blick auf das Zeitgeschehen bestechen. Die Reaktionen im Saal waren herzlich – Schmunzeln, Lachen, anerkennende Kommentare.
Rege Diskussion und offene Worte
Im Anschluss an den Vortrag nutzten die Anwesenden ausgiebig die Gelegenheit zur Fragerunde. Funke antwortete offen, selbstkritisch und ohne Beschönigung – über seine Motive, seine Zeit im Gefängnis, seine heutige Arbeit und seinen Umgang mit der Vergangenheit. Der Abend endete mit dem einhelligen Eindruck: Hier saß kein Krimineller, der seine Taten glorifiziert, sondern ein Mensch, der einen langen, ehrlichen Weg der Aufarbeitung gegangen ist – und der heute mit Stift statt Sprengstoff für Aufmerksamkeit sorgt.
Zum Dank überreichte der Untermeister Ralph Kartelmeyer dem Referenten einen Odd Fellow-Buddy Bären und einen Odd Fellow-Kaffeepott.
Es war ein gelungener Vortragsabend.

