"Geringer Marktwert – unbezahlbare Erinnerung - Wer bestimmt den Wert der Herkunft?"

| GLDOF

Auf Einladung der Universität Frankfurt nahm Großmeister Jens Warmers an einem Podiumsgespräch im historischen IG-Farben-Haus teil. Anlass war das 19. Treffen des Arbeitskreises Provenienzforschung und Restitution am 21. September 2026.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, welchen Stellenwert historische Dokumente besitzen, deren materieller Marktwert zwar gering sein mag, deren Bedeutung für die Geschichte einer Organisation oder Gemeinschaft jedoch kaum zu bemessen ist.

Die Provenienzforschung bewegt sich dabei immer wieder in einem Spannungsfeld: Einerseits stehen Einrichtungen unter Effizienz- und Kostendruck, andererseits besteht der Anspruch, die Herkunft historischer Dokumente und Kunstwerke zu erforschen und nach Möglichkeit deren ursprüngliche Eigentümer oder Rechtsnachfolger ausfindig zu machen.

31 historische Dokumente an die Odd Fellows zurückgegeben

Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür ist die Rückübertragung von 31 historischen Dokumenten aus den 1920er- und 1930er-Jahren aus den Beständen der Universitätsbibliothek Frankfurt an die Odd Fellows im Mai dieses Jahres.

Auf dem antiquarischen Büchermarkt mögen diese Unterlagen nur einen geringen materiellen Wert besitzen. Für die Odd Fellows haben sie jedoch einen unschätzbaren ideellen und historischen Wert.

Unter den zurückgegebenen Unterlagen befinden sich alte Adressbücher, Protokolle, Gesetzestexte und Jubiläumsschriften. Einige Dokumente stammen aus Schweden, den USA und Dänemark.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet ein umfangreicher Bestand an Unterlagen der Großloge des Tschechischen Reiches aus den 1920er-Jahren. Diese Dokumente ermöglichen neue Einblicke in die Entstehung, Entwicklung und Hintergründe dieser nur für kurze Zeit bestehenden Großloge und tragen dazu bei, bislang unbekannte Teile der Geschichte der Odd Fellows zu rekonstruieren.

Auf der Suche nach weiteren Spuren

Die Veranstaltung in Frankfurt bot darüber hinaus eine wertvolle Gelegenheit, die Arbeit und Geschichte der Odd Fellows einem breiteren Fachpublikum vorzustellen und neue Kontakte zu Provenienzforschern zu knüpfen – unter anderem nach Wien.

Dabei richtet sich der Blick bereits auf weitere mögliche historische Funde. Vor dem Zweiten Weltkrieg existierten in Deutschland über 100 Odd-Fellow-Logen. Daher liegt die Vermutung nahe, dass sich bis heute weitere Dokumente, Schriften und Archivbestände in Universitäts-, Landes- und Stadtbibliotheken befinden.

Ihre Wiederentdeckung könnte helfen, weitere Lücken in der Geschichte der Odd Fellows in Deutschland und Europa zu schließen.

Denn manchmal ist es nicht der Marktwert, der den wahren Wert eines historischen Dokuments bestimmt. Es ist die Erinnerung, die darin bewahrt wurde.

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