Jens Warmers anlässlich der Tagung der European Grand Lodge am 6. Juni in Stockholem
Im September letzten Jahres erhielten wir von der Universitätsbibliothek der Johann Wolfgang von Goethe-Universität in Frankfurt den Hinweis auf ein seit 2020 laufendes Projekt im Rahmen der Provenienzforschung. Die Provenienzforschung (Herkunftsforschung) untersucht die lückenlose Eigentums- und Besitzergeschichte von Kunst- und Kulturgütern von ihrer Entstehung bis heute. Sie ist entscheidend, um die Echtheit zu belegen, und dient der Aufarbeitung von NS-Raubkunst.
Unser European Grand Sire Mortan Buan hatte mich Anfang dieses Jahres bevollmächtigt, alle Dokumente entgegenzunehmen, die die Odd Fellows betreffen. Diese umfassende Vollmacht war erforderlich, da unter den Dokumenten auch einige Schriftstücke der früheren Großloge des Tschechischen Reiches, darunter Gesetze, Sitzungsprotokolle, Adressbücher waren. Zum damaligen Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass auch die Dokumente, die ich heute dabei habe, zurückgegeben werden sollten.
Wo kommen diese Dokumente her? Als die Nazis Anfang der 1930er Jahre in Deutschland die Odd Fellows und andere Logen verboten hatten, beschlagnahmten sie auch alle Dokumente, die sie von den Logen bekommen konnten. Nach dem Zweiten Weltkrieg richteten die Amerikaner, die mit der 3. US-Armee Frankfurt befreiten, an verschiedenen Stellen sogenannte "Collecting Points" ein, an denen geraubte Bilder, Bücher und Dokumente jeder Art anonym zurückgegeben werden konnten. Alle Dokumente, die bis Ende 1948 nicht wieder ihren ursprünglichen Eigentümern zugeordnet werden konnten, gingen in den Besitz der Universitätsbibliothek über. Dort schlummerten sie viele Jahrzehnte im Keller bis zu vorgenanntem Projekt. Insgesamt wurden 75.000 Dokumente geprüft, von denen 7.500 als geraubt identifiziert wurden.
Am vergangenen Donnerstag fand in den Räumen der jüdischen B’nai B’rith-Loge in Frankfurt die feierliche Übergabe von zunächst 31 Dokumenten an die Goethe-Loge Frankfurt statt. Anwesend waren neben der Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt, der Vize Generalkonsulin der Amerikanischen Generalkonsulats auch die Presse und etliche hochrangige Vertreter der Stadt und der jüdischen Gemeinde.
Die Odd Fellows und die B’nai B’rith-Loge sind auch historisch eng miteinander verbunden – was nicht vielen bekannt ist. 25 Jahre nach der Gründung unseres Ordens 1819 in Baltimore wurde der Orden der B’nai B’rith in New York von jüdischen Odd Fellows gegründet. BB bedeutet im Übrigen „Söhne des Lichts“. Unsere Rituale sind nicht nur inhaltlich ähnlich, sondern bis heute zu 80 Prozent wortgleich.
Für mich persönlich war das Highlight das Adressbuch der Deutschen Odd Fellows von 1932/33, das letzte, bevor der Orden in Deutschland aufgelöst wurde. Warum ist dieses Buch für mich mehr als nur altes Papier? In diesem Buch ist mein Großonkel Willy Warmers als Mitglied der Gauß Weber Loge zu Göttingen aufgeführt; er trat am 2.5.1928 in den Orden ein und war ihm bis zu seinem Tod 1961 treu. Über ihn bin ich auf die Odd Fellows aufmerksam geworden und nun ebenfalls schon fast 28 Jahre überzeugter Odd Fellow.
Vier dieser Dokumente habe ich heute mitgebracht und möchte Sie feierlich an die Repräsentanten aus den USA, Schweden und Dänemark überreichen.
- USA: Ein Buch mit den Sitzungsprotokollen der Souveränen Großloge aus den Jahren 1919/20
- Schweden: Das Mitgliederverzeichnis der Odd Fellows in Schweden und Finnland aus dem Jahr 1939, herausgegeben von der Schwedischen Großloge
- Dänemark: Das Handbuch für Odd Fellows der Unabhängigen Großloge von Dänemark aus den Jahren 1928 und 1936
Artikel der Uni Frankfurt: https://www.uni-frankfurt.de/de/newsroom/meldungen/webexklusiv/41-buecher-an-bnai-brith-und-odd-fellows-zurueckgegeben


